[Rezension] spekulative Literatur *** Erlick: Die Vorhersage *** Möchte man wissen, wann man stirbt?

0
128

Nikki Erlick „Die Vorhersage“

HC, 480 Seiten, 22 Euro, ET: 14.12.2022
Danke für die Bereitstellung des Buches!
HIER geht es zum Buch auf der Verlagsseite! Unbezahlte Werbung!

***********

Inhalt:

„Als Nina eines schönen Morgens ihre Wohnungstür öffnet, findet sie eine schlichte Holzbox. Darin verbirgt sich ihr Lebensfaden. Wenn sie die Box öffnet, wird sie erfahren, wie viele Jahre ihr noch bleiben. Und sie ist nicht die Einzige, die dieses »Geschenk« bekommt. Überall auf dem Globus – sei es nun im New Yorker Apartment, in einer Hütte in den Bergen oder einem Beduinenzelt – hat jeder Volljährige eine Box erhalten und fragt sich: Will ich wirklich wissen, wann ich sterben muss?

Einfühlsam und klug erzählt Nikki Erlick, was mit der Gesellschaft, mit Beziehungen und mit jedem einzelnen Individuum passiert, wenn uns die eigene Sterblichkeit drastisch vor Augen geführt wird. »Die Vorhersage« ist ein berührender Roman über das Leben und das Sterben, über Freundschaft und Liebe und über das Menschsein selbst.“ (Quelle)

************

Meine Meinung:

Das Buch stand schon länger auf meiner Lese-Wunschliste, da ich das Thema absolut grandios finde. Wie oft habe ich mich schon gefragt, ob es nicht besser wäre, wenn ich wissen könnte, wann ich sterbe. Wenn man es wüsste – richtet man dann sein Leben nicht anders aus, lebt man sein Leben nicht anders/besser? Genießt man dann nicht seine Zeit bewusster? Könnte man dann nicht seine ganzen Ängste rund um das Thema Krankheit und Tod, die mit dem Alter immer mehr werden, umgehen? 

Tatsächlich aber hatte ich mir bisher keine Gedanken gemacht, was noch alles an einer solchen Offenbarung dranhänge, vor allem, wenn es alle Menschen dieser Erde betreffen würde. 

Nikki Erlick erschafft mit ihrer spekulativen, dystopischen Geschichte einen emotionalen und auch spannenden Zugang zu diesem Thema. Jeder Mensch bekommt eine Box inklusive eines Fadens geliefert, der genau zeigt, wann man stirbt bzw. wie alt man werden wird. Box aufmachen? Geschlossen lassen? 

Auch wenn es vorwiegend um 8 Personen geht, deren Geschichte genauer und detaillierter erzählt wird, rund um die Fäden, erfährt der Leser auch, zu welchen Auswirkungen es auf der ganzen Welt kommt und gekommen ist. 

Nina, Maura, Jack, Javi, Anthony, Ben, Amie, Hank – alle sind sie mir ans Herz gewachsen und genau das ist letzten Endes mein Problem gewesen. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viel beim Lesen geweint habe. Geweint – um ungenutzte Möglichkeiten, um verlorene Träume, um Ungerechtigkeiten, um Steine, die sich Menschen selbst in den Weg legen, um unausgesprochene Wünsche, aber auch wegen der vielen Hilfsbereitschaft, die ich kennenlernen konnte, den sympathischen und liebenswerten Entscheidungen, den tollen Gesprächen, die ich verfolgen durfte, die besonderen und persönlichen Gedanken, die die Protagonisten mit mir geteilt haben. 

Ich habe mit den 8 Menschen gelebt, gehofft, geliebt, geweint. Ich habe mit ihnen gelitten, gefeiert, gebangt und auch viel gelacht. 

Ich habe das Lesen dieses Buches insgesamt sehr genossen. Wer eine emotionale und nachdenkliche Geschichte sucht, ist hier absolut richtig. Manch einer mag Spannung vermissen. Für mich war diese unterschwellig immer vorhanden, da ich unbedingt wissen wollte, was ich alles noch von den einzelnen Personen erfahren und wie lange ich noch Zeit mit ihnen verbringen darf.

Die letzten 50 Seiten haben mir einiges abverlangt und ich kam aus dem Weinen nicht mehr heraus. Die Autorin schaffte es aber, dass ich trotz aller Traurigkeit dankbar und demütig auf mein eigenes Leben blickte – auch wenn ich mit immer noch nicht sicher bin, ob ich nicht doch gerne wissen würde, wann mein Leben ein Ende findet. Habe ich einen kurzen oder einen langen Faden? Ist es ein Segen, das nicht zu wissen? 

Die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester war für mich zum Lesen genau richtig, da es für mich DIE Zeit ist, auf das vergangene Jahr zurückzublicken und natürlich auch Pläne für das kommende Jahr zu machen. Es ist die Zeit, in der man entweder zufrieden oder unzufrieden ist. Alle diese Gedanken findet man auch im Buch wieder und ich bin dankbar, dass ich es gelesen habe. Eine einprägsame Geschichte, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. 

Zwei Dinge haben mich ein wenig irritiert und ich habe auch keine Antworten bzw. Erklärungen bekommen. Aus Spoilergründen kann ich diese hier nicht benennen. Daher keine kompletten 5 Sterne. 

4.5 out of 5 stars (4,5 / 5)

Weitere Rezensionen bei ??? (gerne her mit dem Link) – bei LovelyBooks 3,5 Sterne bei 2 Bewertungen (Stand 30.12.2022)

 

Vorheriger Artikel[Rezension] Kindersachbuch *** Bartosik/Gwis: Gesundheit! Die Geschichte der Medizin von früher bis heute *** nicht ganz einfach, aber sehr interessant!
Nächster Artikel[Rezension] Krimi, Band 10 *** Föhr „Herzschuss – Jedes Verbrechen hat eine Geschichte *** der Schluss hat es in sich!

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein