David Hugendick
„Jetzt sag doch endlich was“
Über das Stottern

Hardcover, 160 Seiten, 21,99 Euro, ET: 29.01.2026
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Inhalt:
„Wer stottert, hat keine Superkraft. Wer stottert, dem fällt nur vielleicht manches auf: Irgendwann muss die Menschheit beschlossen haben, dass sie es pausenlos eilig hat. Wer stottert, guckt oft in ungeduldige Gesichter. Stottern ist eine Art des rasenden Stillstands, eine unvorhergesehene Störung im Betriebsablauf.
In seinem autobiografischen Essay denkt David Hugendick über das Stottern und das Sprechen nach, über Ungeduld und Scham, über heimtückische Buchstaben und über unsere von künstlicher Dringlichkeit geprägte Gesellschaft.“ (Quelle)
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Meine Meinung:
Warum ich das Buch lesen wollte? Ganz ehrlich? Weil ich mich nach dem Lesen des Buchrückens tatsächlich direkt wiedergefunden habe. Was tut man, wenn jemand stottert? Ihm helfen und die Worte vorsagen? Ungeduldig warten? Sätze beenden, damit es schneller geht? Was wird vom Gegenüber, also mir, erwartet? Was ist höflich, was nicht? Wie fühlt sich der stotternde Mensch in diesen Situationen? Welche Sprüche musste sich der Autor in seinem Leben schon anhören? Welche Hürden überwinden, die einem „flüssig sprechendem“ Menschen gar nicht in den Sinn kommen?
Ich wollte das Buch unbedingt aufgrund der autobiografischen Teile lesen und hoffte, Antworten auf meine vielen Fragen zu erhalten.
Im Großen und Ganzen habe ich das Lesen des Buches wirklich genossen. Ich habe viele Antworten bekommen und konnte mit dem Autor unter anderem einige emotionale Situationen erleben, die mich teilweise sprachlos zurückgelassen haben. Einerseits, weil ich nie über bestimmte Dinge nachgedacht habe und andererseits, weil mir mal wieder bewusst geworden ist, wie wenig einfühlsam und unbedacht Menschen sein können. Ich habe z.B. nie darüber nachgedacht, wie schlimm es für ein Kind sein muss, wenn es den eigenen Namen nicht aussprechen kann, wie schwierig das später in so vielen Situationen wird (Kindergarten, Schule, Telefon, …), sodass man sich überlegt, einfach einen anderen Namen zu nennen.
Nicht alle Kapitel haben mich gleich stark abgeholt. Manche empfand ich als sehr langatmig und dann irgendwann auch langweilig, da der Autor oft ausschweifend von einem Thema berichtet, das über kurz oder lang auch mit seinem Leben und dem Stottern zu tun hat. Es gab immer eine Überleitung. Manche Kapitel waren eingängig und auch lustig, manche dagegen nicht. Das Kapitel über das Stottern in Filmen fand ich besonders gut. Augenöffnend und dabei echt humorvoll geschrieben.
Auf jeden Fall ein Buch, das mir zu Herzen gegangen ist und über dessen Inhalt ich sicherlich noch länger nachdenken werde. Vor allem, wenn ich beruflich wieder mal mit einem stotterndem Kind zu tun haben werde. Danke für die Einblicke und die Denkanstöße.
4 Sterne von mir.
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