[Rezension] Hörbuch *** Was wir dachten was wir taten *** Kalt erwischt, hat mich das…

Lea-Lina Oppermann „Was wir dachten was wir taten“

3 CDs, 330 Minuten, 14,95 Euro, ab 13 Jahren, ungekürzt

gelesen von Birte Schnöink, Sebastian Rudolph, Julian Greis

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Danke für die Bereitstellung des Hörbuchs!

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Inhalt:

„Matheklausur! Plötzlich dringt eine maskierte Person ins Klassenzimmer ein und diktiert mit geladener Pistole Aufgaben, die erbarmungslos die Geheimnisse aller an die Oberfläche zerren. Arroganz, Diebstähle, blinder Opportunismus, Lügen – hinter sorgsam gepflegten Fassaden tun sich persönliche Abgründe auf. Fiona ringt fassungslos mit ihrer Handlungsunfähigkeit, Mark verspürt Genugtuung, und Herr Filler schwankt zwischen Aggression und Passivität. Als sie den Angreifer enttarnen, sind die Grenzen der Normalität so weit überschritten, dass es für niemanden mehr ein Zurück gibt. Ein packend komponiertes psychologisches Kammerspiel! “ (Quelle)

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Meine Meinung:

Alter Schwede, was für eine Geschichte! Ich glaube als Lehrer ist diese noch eindringlicher und deutlich emotionaler.  Während der ganzen 3 Stunden habe ich mich immer wieder gefragt,

  • was würde ich in einem solchen Fall tun?
  • was  ich getan hätte, um diesen Amoklauf zu verhindern, zu verkürzen?
  • was  ich eigentlich über meine Schüler weiß ?
  • ob es Schüler gibt, die ich schon mehr als ungerecht behandelt habe?
  • ob ich mir Vorwürfe machen muss, weil ich mich zu wenig für das Leben mancher Schüler interessiere?
  • ob es Schüler gibt, die sich von mir missverstanden fühlen und ich nochmal das Gespräch hätte suchen sollen?

Ach, ich könnte hier noch so viele Fragen anhäufen…es ist zum „aus-der-Haut-Fahren“!

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Ich weiß gar nicht, was ich sonst noch schreiben soll. Die Geschichte (Kammerspiel) ist packend, emotional, Angst einflößend, erschreckend, ehrlich, schockierend, menschlich und sie hat mich wirklich kalt erwischt.

Hier wird deutlich gezeigt, dass man die Menschen um einen herum gar nicht richtig kennt. Dass man sich entweder nicht die Mühe macht, hinter die Fassade zu schauen, es nicht will oder aus welchen Gründen auch immer es nicht kann. Viele Menschen verbergen hinter ihrer kaltschnäuzigen, ihrer verklemmten, traurigen oder ihrer aufmüpfigen Art irgendetwas. Nie ist der Mensch einfach nur so SO. Hier steckt immer was dahinter.

Wie oft sagt man schnell beleidigende Worte, die man selbst nicht so schlimm findet, andere aber in Tränen ausbrechen lässt. Wie oft hört man Dinge, die andere einfach so daher sagen und für einen selbst kurz die Welt untergeht? „Lass dir ein dickeres Fell wachsen“ – „Stell dich nicht so an!“ – „Das Leben ist kein Ponyhof!“ – ja, das stimmt wohl und ein wenig mehr Selbstvertrauen kann nie schaden. Aber machen wir es uns nicht manchmal zu einfach, indem wir sagen: „Ach komm, so schlimm war das doch gar nicht“?

Ich muss hier noch ein wenig drüber nachdenken! Die drei unterschiedlichen Sprecher tun ihr absolut Bestes, um hier eine ängstliche, zerstörerische und atemlose Stimmung zu erzeugen! Besser hätte man es nicht machen können. Die Idee, drei verschiedene Sprecher den Text vortragen zu lassen, ist perfekt! Ich war dadurch im Klassenzimmer dabei. Ich habe das Geschehen aus der ersten Reihe mitverfolgt! Und ich bin nicht sicher, wie ich in all diesen Situationen reagiert hätte, wie ich mit diesen umgegangen wäre…

Einzig das Ende hätte ich mir noch ein wenig ausführlicher gewünscht. Was sind die Konsequenzen für die einzelnen? Was passierte weiterhin? Gab es Änderungen im Verhalten und Gedanken? Diese Ausführungen habe ich vermisst und doch so dringlich erwartet. Aber wahrscheinlich sollte jeder Hörer oder Leser zum Nachdenken angeregt werden! Und mit diesem Ende ist unweigerlich dafür gesorgt worden!

5 Stars (5 / 5)

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