Rezension *** Ich dreh gleich durch – Tagebuch eines ADHS-Kindes und seiner genervten Leidensgenossen *** tolle Herangehensweise!

Sanders „Ich dreh gleich durch – Tagebuch eines ADHS-Kindes und seiner genervten Leidensgenossen“

cover

304 Seiten, 18,99 Euro

HIER geht es zur Verlagsseite mit weiteren Informationen!

HIER geht es zur Seite der Autorin!

*******************

Inhalt:

„Das besondere ADHS-Buch – klug, witzig, hilfreich

Max tickt anders. Das macht sein Leben kompliziert. Und das seiner Mitmenschen entsetzlich anstrengend. Max hat ADHS: Er ist unüberlegt, impulsiv, unkonzentriert, hibbelig, aufgekratzt, planlos, hört nie zu, verliert und vergisst alles, bringt sich und andere ständig in Gefahr.

In diesem Tagebuch lässt Max sich auf unterhaltsame Weise über all die kleinen und großen Katastrophen aus, die er tagtäglich verursacht. Aber auch seine Mitmenschen schreiben sich ihre liebe Not mit dem Energiebündel von der Seele. So erleben die Leser eine Situation aus zwei Blickwinkeln – und das ist mitunter brüllend komisch.

Anna Maria Sanders Buch erlaubt einen tiefen, aber dennoch humorvollen Einblick in die Seelenwelt von Betroffenen und »Mitleidenden«, der beide Seiten besser verstehen lässt.

  • Das erste Buch, das Einblick in die Gefühlswelt eines ADHS-Kindes gibt
  • Ein Buch, das auch die Perspektive des Umfeldes beleuchtet: Wie wirkt ein ADHS-Kind?
  • Authentisch und humorvoll geschrieben von einer Mutter, die Lösungen hat
  • Ein Muss für Eltern, Großeltern, Geschwister und Pädagogen in Schule und Kindergarten!“

***********************

Meine Meinung:

Als Lehrerin an einer integrativen, weiterführenden Schule lese ich hin- und wieder Bücher zu „Schüler- und Lehrer-Problemen“! ADHS steht in dieser Problemliste natürich auch! Nicht selten haben wir 10 von 30 Kindern in der Klasse, die in irgendeinerweise Medikamente wie Ritalin oder Medikinet nehmen. Manche Kinder werden auch erst „eingestellt“, nachdem sie auf unserer Schule sind, weil nichts mehr geht! Übergang von der Grundschule = mehr Kinder, mehr Lehrer, mehr Fächer, mehr Arbeit…

Ich bin mit der Medikamentengabe immer noch skeptisch! Einerseits sehe ich das Problem von der Lehrerseite: wenn bei 30 Schülern unterschiedlichen Könnens auch noch 8  – ich drücke es jetzt mal eher negativ aus- querschießen und permanent stören – dann ist das für mich als Lehrer schier unmöglich zu schaffen. Andererseits sehe ich auch das Problem der Kinder, die häufig nur negative Reaktionen bekommen: ob von ihren Klassenkameraden, ihren Lehrern, ihren Eltern und dann natürlich auch noch über die verhassten Noten! Manche Kinder blühen mit Medikamenten regelrecht auf und gewinnen dadurch Lebensqualität zurück, andere mutieren zu einem „Zombie“, der nur noch wenig mit dem früheren Kind gemeinsam hat!

Ich kenne mittlerweile viele Beispiele und weiß auch von den unerwünschten Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen und ähnliches. Auch familiär kenne ich ADHS in seiner schwierigsten Form!

Aus diesem Grund hat mich das Buch „Ich dreh gleich durch – Tagebuch eines ADHS-Kindes und seiner genervten Leidensgenossen“ sehr gereizt! Ein ganz anderer Ansatz und von der Perspektive her sehr spannend! Als Lehrer möchte ich ja letztendlich einfach nur dem Schüler helfen und ihm etwas beibringen!

Zum Buch:

Ich habe Max von der ersten Seite an wahnsinnig gemocht! Ich konnte mir, während ich seine Tagebucheinträge las, genau vorstellen, was in ihm vorgeht und wie er dabei aussieht! Sein Verhalten fand ich nachvollziehbar und auch sehr eingängig beschrieben!

Durch Max‘ Eindrücke und Beschreibungen bekam ich wieder einmal vor Augen gehalten, was in einem Kind vorgeht und wie sehr das alles auf eine Kinderseele einprasselt. Die Kinder wissen selbst teilweise nicht , was sie falsch machen und wieso sie es nicht anders können Das hat mich beim Lesen immer wieder traurig gemacht und am liebsten hätte ich Max in den Arm genommen und ihm gesagt, dass es mit der Zeit (wahrscheinlich) besser wird.

Sehr gut gefallen hat mir die Schreibweise der Autorin und Mutter. Sehr flüssig zu lesen, eingängig und nicht überheblich! Man liest die Liebe zu ihrem Kind sehr deutlich heraus und auch den Ärger, den sie gegenüber manchen Menschen empfindet. Toll finde ich auch, dass die Autorin diejenigen Menschen lobt, die es geschafft haben, mit ihrem Sohn zu arbeiten und ihn nicht nur „abzustrafen“!

Ihr Ansatz und das Denken ihrerseits und das ihres Mannes finde ich bewundernswert, denke jedoch, dass nicht alle Eltern so stark sind, um dem Druck von allen Seiten standzuhalten und dabei auch noch seinem Kind gerecht zu werden. Das stelle ich mir als Eltern sehr schwierig vor, vor allem, wenn es noch andere Kinder in der Familie gibt!

Lebendig und auch realistisch wird das Buch aber vor allem auch durch die ehrlichen Einträge der anderen Familienmitglieder. Hier wird deutlich, was ADHS von allen abverlangt, nicht nur von dem Kind oder der Mutter. Alle sind involviert…Bruder, Vater, auch die anderen Verwandten und natürlich die Freunde und Lehrer!

Alles in allem ein Buch, das mir wieder einmal die Augen geöffnet hat. Jedes Kind ist anders und diese Andersartigkeit sollte als Chance genutzt werden nicht als Strafe! Trotz allem muss mit dem Kind gearbeitet werden, es müssen Regeln aufgestellt und konsequent eingehalten werden. Nur so  – kann es zumindest in der Schule einigermaßen laufen!

Fazit: Für mich ein sehr lesenswertes Buch – emotional statt nur wissenschaftlich und trotzdem mehr als informativ!

5 Stars (5 / 5)

 

Bianca

Schöne Rezension. Ich knapse schon seit Wochen an dem Buch herum. Es ist ganz gut, aber auch irgendwie anstrengend zu lesen, so dass ich es nicht sooo gerne zur Hand nehme, wenn ich abends nur ein paar Minuten Zeit habe, noch ein bisschen in einem Buch zu schmökern.

Ich mag Max auch gerne und finde es gut, dass das Thema einmal anders aufgearbeitet wird. Ich habe es mir vor allem geholt, weil mein 7jähriger Neffe auch Verhaltensweisen zeigt, die auf ADHS hindeuten. Da wollte ich mich etwas mit dem Thema beschäftigen.

Du hast übrigens ein paar Mal Raphael statt Max geschrieben. 🙂

Liebe Grüße
Bianca

normal-ist-langweilig

Oh, wie peinlich! Aber soll ich dir sagen, woran das lag? Ich habe immer einen meiner Schüler vor Augen gehabt! Dadurch habe ich den falschen Namen eingesetzt! Vielen Dank fürs genaue Lesen! LG

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.